OH DIE SEE


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Die unstillbare Sehnsucht

Bei sich bleiben oder aufbrechen, das ist die Frage für Hugo und seine Frau Odessa. Sie beantworten sie unterschiedlich: Hugo (Sören Wunderlich) bricht auf und Odessa (nicht wieder zu erkennen: Jana Schulz) bleibt mit ihrem Sohn zurück. Doch auch für Hugo soll diese Fahrt übers Meer die letzte sein. Aus den geplanten zwei Wochen werden aber zehn lange Jahre der Abenteuer- und Entdeckungsreise. Ein in die Luft gesprengtes Schiff, Drogen, Diebstahl von Kokain und die Mafia führen dabei zu immer neuen Verstrickungen. Als Hugo nach zehn Jahren zurückkehrt, hat seine Odessa treu auf ihn gewartet und die Übernahmeangebote für ihre gemeinsame kleine Bar auf dem Kiez und sich selbst tapfer abgewehrt. Sie glaubte stets fest an seine Rückkehr.

Igor Bauersima hat mit "OH DIE SEE" eine rockige Hamburger Adaption der Odyssee von Homer am Schauspielhaus auf die Bühne gebracht. Eine fetzige, kurzweilige Angelegenheit sollte es werden. Mit lauter, rockiger, schmissiger Musik, Tanz, Videoprojektionen, sexy Kostümen und viel Action auf der Dreh- und Hebebühne. Auf durchsichtigen Vorhängen laufen Bilder der Orte, die Hugo gerade bereist oder eindrucksvolle Farbspiele, die die Stimmung unterstreichen. Der erfolgreiche Autor Igor Bauersima ("Norway today") hat sich einiges einfallen lassen um dem Publikum etwas zu bieten.

Dennoch zeigten sich viele Zuschauer bei der Premiere nicht zufrieden. Einige lautstarke Buhs mischten sich unter den Beifall. Das mag zum Teil an der unfreiwillig wirkenden Komik der gereimten Liedtexte gelegen haben, die reich an Kalauern waren. So "rockte" in ihnen "Marokko", es gab "Danger in Tanger" oder man fühlte sich "cosy" im Jacuzzi". Diese Vordergründigkeit, die sich in den nur auf Erotik bedachten Kostümen der Frauen fortsetze, beeinträchtigte die an sich spannende Idee einer modernen Odyssee. Soll der Mensch sich aufmachen und seine Neugier und Sehnsucht nach dem Unbekannten stillen oder soll er bei sich und dem bleiben, was er schon gefunden hat. Diese Frage stellte Jana Schulz in ihrem Anfangssong und sie blieb auch nach zwei Stunden aktionsgeladener Reise unbeantwortet.

Birgit Schmalmack vom 8.1.06