Cafe Umberto
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Die kleinste Zelle der Gesellschaft ist nicht die Familie sondern das Liebespaar, die Grundlage für die Entstehung einer Familie. Moritz Rinke stellt in "Cafe Umberto" die Frage, ob diese Keimzelle in Zeiten der wirtschaftlichen Verunsicherung auseinander zu brechen droht. An drei unterschiedlichen Liebespaare betreibt Rinke seine Studien in einem ehemaligen Arbeitsamt, dessen Leiter (Norman Hacker) alle Mitarbeiter und zuletzt sich selbst wegrationalisiert und durch einen Ansageapparat ersetzt hat.
An diesem düsteren Ort, der nur noch aus Versatzstücken der vorherigen Strukturen besteht, treffen sie aufeinander. Die erfolglose Malerin Paula (Susanne Wolff) liebt den Dozenten Anton (Werner Wölbern). Sie liebte ihn jedoch noch mehr, als er noch dozieren durfte und etwas für sie darstellen konnte. Jetzt, wo er sich mit Jobs über Wasser halten muss, hegt sie starke Zweifel an seiner Männlichkeit. Der arbeitslose Erdkundelehrer Lukas (Felix Knopp) leidet darunter, dass er nur noch als Anhängsel seiner fernsehbekannten Freundin Sonja (Anna Steffens) gesehen wird. Als er im Arbeitsamt auch noch auf die Stimme seiner Freundin trifft, die ihm seine Wartenummer aus dem "Apparat" verkündigt, zerbricht der letzte Rest seiner Selbstachtung. Doch die Agentur für Arbeit dient auch mittlerweile als Singletreff: Der Musiker Jaro (Peter Jordan) lernt ausgerechnet dort seine neue Liebe, die erfolglose Modedesignerin Jule (Doreen Nixdorf) kennen. Sie schleppt ihren riesigen Koffer voller neuer Ideen stets mit sich herum. Ihre zarte Liebe erweist sich als zu schwach; sie flüchtet vor dem Erfolgsdruck ihrer zahlreichen, zum Scheitern verurteilten Ich-AG-Pläne in ein psychiatrisches Wohnheim. Jaro bleibt mit seiner Forderung "Würde ist wichtiger als Erwerb" ungehört vor der Tür stehen.
Stephan Kimmig zeigt die Zersplitterung der kleinsten gesellschaftlichen Einheit in einsame, hilflose Einzelwesen in aller Deutlichkeit. Nur lose Verbindungen erlaubt er in der zufällig wirkenden Aneinanderreihung der desillusionierenden Episoden. Wie Visionen ihrer selbst laufen sie durch das Bühnenbild (Anja Hertkorn), das die Hoffnungslosigkeit eindrucksvoll bebildert.
Birgit Schmalmack vom 22.11.05