Schiller, Tod, Teufel
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Wer ist das größere Genie gewesen: Goethe oder Schiller? Diese Frage treibt den Dichtefürsten nach dem Tode Schillers um. Er sitzt in einer Totengruft vor einem Totenschädel und sinniert über die Bedeutung ihrer beider Arbeit für die Nachwelt. Goethe durchläuft in seinem Monolog die verschiedenen Stationen seiner Beziehung zu Schiller. Er stellt sich der Begegnung mit dem Tod, und zwar mit dem eigenen und dem Schillers. Er zwingt sich, der Wahrheit ins Auge zublicken. Er durchlebt noch einmal seine komplizierte Beziehung, die ihn mit Schiller verband. In ihm fand er einzig einen adäquaten Gesprächspartner, der ihm in Intelligenz, Geist, Wissen und Liebe zur Dichtung in nichts nachstand. Doch genau darin lag auch der Grund für die Eintrübung dieser Freundschaft. So sehr sie sich auch einig waren in ihrer Ablehnung der Gewaltausbrüche im Zuge der französischen Revolution, so stark fürchtete Goethe auch die Konkurrenz des Kollegen. Deshalb verhinderte er seine Anstellung in Weimar, wo er residierte, und verfrachtete ihn nach Jena. Hass, Bewunderung, Neid, Anregung Missgunst, Kumpanei und Zuneigung - alle Aspekte beleuchtet Volker Braun in seinem Werk "Schiller, Tod, Teufel", das Regisseur und Theaterleiter Andreas Lübbers für sein Hamburger Sprechwerk auf die Bühne brachte. Hochachtung gebührt Roland Floegel, der kurzfristig für den erkrankten Hauptdarsteller Merka einsprang. Er schaffte es, sich in nur drei Probetagen in die Rolle einzufühlen. Er verkörpert einen Goethe, der breitbeinig neben der häufig benutzten Weinflasche sitzt und immer wieder in hämisches Lachen über die Menschen, die Welt und über sich selbst ausbricht. In dieser Inszenierung wird eifrig am hehren Image des Dichter und Denkers Goethe gekratzt. Braun legt dieses in seinem Text an und Floegel unterstützt es mit seinem Spiel, dass dieses Genie auf normale Menschengröße heruntergeschraubt. Ein Mensch, der trinkt, flucht, Neid, Hass und Eifersucht fühlt.
Birgit Schmalmack vom 21.8.05