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Homerun, Thalia

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Familie ohne Grenzen

Auf dem Rücken seiner Fußballjacke stehen arabische Zeichen. El-Kurdi begrüßt seine Zuschauer/Innen auf arabisch. Doch El-Kurdi gibt zu: Ich kann kein Arabisch, dafür aber Oberhessisch und Kasseler Platt. Deshalb wechselt er auch anschließend lieber zu Deutsch. Wie es kam, dass er erst spät eine deutsche Aufenthaltserlaubnis bekam, obwohl er eine deutsche Mutter hat, davon handelt sein Abend unter der Regie seiner Frau Ulrike Willberg.
Flüchtlingswege, von denen heute oft berichtet wird, haben meist den Westen als Ziel. Doch dieser Abend "Homerun" erzählt von einem Weg, der zunächst in die umgekehrte Richtung verlief. Seine hessische Mutter flieht vor den begrenzten wirtschaftlichen und familiären Verhältnissen nach England. Dort lernt sie einen jordanischen Offizier kennen und zieht mit ihm weiter nach Osten. Hartmut El-Kurdi ist ein Sproß aus dieser Beziehung. 1964 in Amman geboren wuchs er in England auf und zog nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter nach Deutschland. Erst durch seine Recherche zu seiner "grenzverletzenden Familiensaga" bekam er eine arabische Großfamilie. El-Kurdi fördert mit seinem Blättern im Familienalbum und Sichten alter Filmaufnahmen, Stöbern in Archiven erstaunliche Erkenntnisse zutage. Pickelhauben tauchen sowohl auf den nahöstlichen wie auf den deutschen Soldatenfotos auf. Seine deutsche Uroma könnte aufgrund ihrer Kopftuchfotos glatt eine Schwester seiner kurdischen Uroma sein. Fragt er seine weit verzweigte Familie heute, fällt es ihnen ebenso schwer wie ihm, sich einzig und allein einem Land zuzuordnen. Sie sind wie er froh über ihre vielfältigen Wurzeln.
El-Kurdi führt ohne jeden moralisierenden Unterton durch seinen musikalischen (Live-Musik: El-Kurdi und Maria Rothfuchs) Dia-Abend. Er liefert damit mehr als einen unverkrampften Beweis dafür, wie selbstverständlich diese Art der Grenzverletzung sein sollte. Diese kleine Show sollte Pflichtprogramm in jedem Klassenzimmer sein.
Birgit Schmalmack vom 11.2.20

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