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Raub der Sabinerinnen

Raub der Sabinerinnen



Gutes Schmierentheater?

Zum Schluss gibt es ein Happy-End auf dem roten Sofa. Die wahre Liebe hat gesiegt. Sowohl die Liebe zwischen den Eheleuten Striese als auch ihre Liebe zum Theater. Ein langer Kuss verbindet das Theaterdirektorenehepaar auf dem Kussmundsofa.
Sie haben bewiesen, dass der unbedingte Einsatz fürs Theater auch schlechten Stücken zum Erfolg verhelfen kann. Somit liefert das Stück „Raub der Sabinerinnen“ von Curt Goetz die Trickkiste für Regisseure gleich mit. Schlechte Texte einfach als Parodie spielen! Doch was auf einer Schützenhausbühne funktioniert, verhilft auf einer Staatstheaterbühne nicht zwangsläufig zu einer überzegenden Inszenierung. Eine Parodie benötigt mehr an Doppelbödigkeit, als Fritsch in seinem Trash-Abend zuließ.
Er hat alle Personen in der Geschichte um den Gymnasiallehrer (Matthias Leja), der in Jugendtagen eine triefende Römertragödie geschrieben hat, die jetzt in seinem Heimatstädtchen zur Aufführung gelangen soll, als Comicfiguren angelegt. Ihre Frisuren sind zu künstlichen Haarhelmen verklebt, ihre Kostüme unförmig aufgepolstert, ihre Gesichter bunt geschminkt und ihre Gestik und Mimik überdreht. Einziges Bühnenrequisit ist das rote Mammutsofa mit rückwärtigem Trampolin. Die Personen treten mit einem Sprung über die hintere Lehne auf. Dieser Einfall sorgt für einige witzige Bilder, hat sich aber bald erschöpft.
Die Schauspieler haben sichtlichen Spaß an ihrer Comedy-Show. Während die meisten Figuren dabei aber zu offensichtlichen Karrikaturen ihrer selbst verkommen, bleibt die Theaterleiterin Frau Striese (Karin Neuhäuser) immer Mensch. Ihre Wahrhaftigkeit, die dem unseligen Stück schließlich zu dem Happy-End verhilft, schimmert von Anfang wohltuend durch.
Herbert Fritsch, der auch an der Volksbühne arbeitete, brachte ein Stück szenig-trashiges Hauptstadt-Feeling nach Hamburg. Das Hamburger Premierenpublikum nahm den Schwank wohlwollend mit viel Beifall auf, auch wenn die Gagdichte auf der Bühne nicht mit der Lacherquote in den Reihen korrelierte. Es honorierte damit die knallbunte Abwechselung im Thaliaspielplan. Doch wenn die einzigen Stars ein rotes Sofa und eine Karin Neuhäuser sind, reicht es gerade für ein nettes Weihnachtstheatermärchen mit Happy-End.
Birgit Schmalmack vom 18.11.11

Zur Kritik

dradio
spiegel-online
Abendblatt
welt
Zeit.de

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