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Blütenträume

Blütenträume


In der erwerbsarbeitsbefreiten Lebensphase

Sieben Menschen über 55 treffen in einem Flirtkurs für Senioren in einer Volkshochschule aufeinander. Ein hyperaktiver und überaus nervöser Kursleiter steht vor ihnen: der erste Kurs dieser Art für den arbeitslosen Schauspieler. Er probiert die neusten Coaching-Methoden an den lebenserfahrenen Menschen vor ihm aus. Doch die wollen etwas Anderes: Die einen wollen hauptsächlich jemandem ihre Geschichten erzählen, die anderen wollen schnell umsetzende Tricks erhalten um einen Partner für den letzten Lebensabschnitt kennen zu lernen. Dem unsicheren Leiter fehlt jedes Gespür für die Menschen vor ihm, er spult nur sein Programm ab.
Dennoch hat er Erfolg: Der Kurs rebelliert und findet dadurch zu einem Einvernehmen, dass seine Teilnehmer zuvor nicht spürten. Privat trifft man sich bei der zuvor unnahbar wirkenden Frieda (Gila von Weitershausen) und feiert zusammen bis in die frühen Morgenstunden. Zum Schluss ist man zwar nicht zu einer Kommune zusammen gezogen, aber einen Partner hat man dennoch gefunden.
In der unterhaltsamen Komödie von Lutz Hübner lotet Regisseur Hartmut Uhlemann nicht nur die spaßigen sondern auch die tragischen Momente aus, die die Aufs und Abs des Lebens so zu bieten haben. Die Darsteller verraten ihre Figuren nie zugunsten von einfachen Lachern. Bei den Zuschauern (größtenteils im ähnlichen Alter) findet ein ähnlicher Prozess wie bei den Kursteilnehmern statt: Man schaut hinter die äußeren Fassaden und schnell aufgeklebten Attribute aus den Kontaktanzeigen und lernt die Menschen dahinter kennen und schätzen.
Hübner entlarvt die Kennenlerntaktiken und zeigt worauf es ankommt: den vorurteilsfreien, wertschätzenden Blick auf den anderen. Dann erst kann die Einsamkeit weichen und die Zuneigung wachsen.
Birgit Schmalmack vom 14.3.12

Abbildung: Blütenträume - foto by oliver fantitsch

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