AGAMEMMNON; DSH Diese Inszenierung kann niemanden, schon gar nicht in diesen Zeiten, in denen der Krieg auch uns in Europa wieder so nah gekommen ist, unberührt lassen. Denn sie setzt in jeder Hinsicht auf Emotionalität und entfaltet einen Sog, der in das Geschehen hineinzieht. Zwar ist schon der Text von Aischylos in der Übertragung von Walter Jens stark, aber erst in der Verbindung von der untergründigen Eindringlichkeit der Musik mit der Unbedingtheit der Sprecher:innen wird daraus ein Gesamtkunstwerk, das man so schnell nicht vergessen wird. Bisher das Highlight des diesjährigen Theaterfestivals. Aber es folgen ja noch fünf weitere Gastspiele, die Nikolaus Besch dieses Jahr ausgewählt hat. (© Birgit Hupfeld)    Flieg, Prinz Propell, flieg, Monsun Die klare künstlerische Setzung, die die Darstellerinnen durch die Fantasielandschaft zwischen Drachen, Monstern und Elfen auf der Suche nach Frieden tänzeln lässt, ist beeindruckend konsequent. Wenn dann noch Lara Hüsges mit ihrer wunderschönen Sopranstimme singend traumwandlerisch durch die Kulissen schreitet oder mit ihrem Cello die Kompositionen von Shadi Kassaee interpretiert, bekommt das Arrangement eine weitere Ebene, die es zu einem kleinen, aber eindrucksvollen Gesamtkunstwerk macht.    Gefährliche Liebschaften, St. Pauli Theater Die moderne Frauengestalt der Marquise, die sich für ihre Zeit unerhörte Freiheiten herausnimmt, nämlich genau die, die auch ein Mann für sich in Anspruch nimmt, bietet durchaus genügend Potential, um daraus ein interessantes Machtspiel zwischen den Geschlechtern zu machen. Doch nach dieser kurzen Probenzeit steht die Entwicklung zu einer ausgereiften Inszenierung noch ganz am Anfang. (© William Minke)    Ich bin Lena, Lichthof Wenn selbst einen Serebrennikov wie zuletzt im Thalia Theater im Wij die Bilder für die Schrecknisse der Gegenwart ausgehen, ist es umso bemerkenswerter, wenn hier am Lichthof ein junges engagiertes Team einen Metablick auf Zerstörung und Transformation wagt und dennoch die Abgründe nie verleugnet. Denn zum Schluss stehen sie alle auf ihren Ausstellungspodesten. Sie sind tot und zu Kunstobjekten geworden. Pralles Theater, das erst einmal zerkaut und verdaut werden muss.(©-Alona-Konovalchuk)    Die Schattenpräsidentinnen, DSH So ist dieser desillusionierende Abend vor allem eines: Ein großer Spaß, dem aufgedrehten Spiel der absolut überragenden Schauspielerinnen auf der Bühne zuzusehen. In den irrwitzig aufgepumpten Kostümen und aufgetürmten Frisuren beherrschen sie allesamt ihr Comedyfach in höchster Perfektion. Bauer kombiniert das mit einer gekonnten Allegorie auf tatsächliche Verhältnisse und damit einer Portion nicht ganz neuer Erkenntnisse, zu was eine vorgebliche Demokratie verkommen kann. In Deutschland mag man zum Schluss aus dem Theater gehen und denken, dass es hier nicht ganz so schlimm bestellt sei, doch wer kann sich da ganz so sicher sein?