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Der Gardrobier

Der Garderobier

Bomben auf die Kultur

Der große Shakespeare-Darsteller und Theaterleiter Sir (Gerhard Garbers) ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Das mag zum einen an den dramatischen Umstände liegen, unter denen er zur Zeit arbeiten muss. Er versucht mitten im zweiten Weltkrieg mit seinem Ensemble eine Tournee zu organisieren. Die Deutschen bombarideren gerade seine britische Heimatinsel. Etliche Theater sind schon zerstört und alle jungen Darsteller sind zum Frontdienst eingezogen. Nur die Alten und Kranken sind Sir noch geblieben. Lohnt es sich noch unter diesen Bedingungen weiter zu machen? Sir verlässt allmählich die Energie zum Kämpfen. Welchen Sinn hat die Kultur, wo die Werte um ihn herum gerade zu Schutt und Asche werden? Zum anderen plagt Sir auch sein Altwerden. Er spürt, dass auch sein Leben wie seine Umgebung dem Ende entgegen geht. Hat er seine Schaffenskraft für die richtigen Ziele eingesetzt, wo ihm das Bombengetöse doch tattäglich das Gegenteil vor Augen führt?
Wäre da nicht Norman (Roland Renner), sein pragmatischer Garderobier, hätte Sir wohl schon aufgegeben. Doch dieser biedere Seelentröster will auf jeden Fall seine kleine Welt des Theaters in der Garderobe seines Chefs erhalten und schubst ihn immer wieder mit vielen guten Ratschlägen und Aufmunterungen auf die Bühne.
Regisseur Bogdanov macht an den Kammerspielen aus dieser interessanten Konstellation unterhaltsames Schauspielertheater, das die beiden Hauptdarsteller aufs Beste auszufüllen vermögen. Er macht deutlich, dass die Schauspielertruppe nur ein besseres Schmierentheater auf die Bretter bringt, so dass Sirs Zweifel an seinen übergeordneten Zielen berechtigt erscheinen. Bogdanov wusste die komische Seite an dem Stoff hervor zu heben und riss das Publikum in den Kammerspielen am Ende der dreistündigen Aufführung zu Begeisterungsstürmen hin.
Birgit Schmalmack vom 17.6.06

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