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Hermannsschlacht
Der Krieg kennt nur Verlierer
Vom Teutoburger Wald sind nur noch Holzbretter übrig geblieben. Eine abschüssige Parkettbahn ergeben sie, die bis in die ersten Zuschauerreihen des Schauspielhauses ragt. Nur langsam und vorsichtig können sich die fünf Akteure auf ihr fortbewegen. Spontane Aktionen verbieten sich hier. Eher sorgsam eingefädelte strategische Planungen werden hier umgesetzt. Dass sie nicht immer klappen müssen, beweist die Bühne am Schluss: Als der Römer Varus (Samuel Weiss) sich schon siegessicher aus dem Untergrund nach oben wagt, um seinen Überraschungscoop durchführen zu können, bricht der Fußboden unter ihm ein. Je weiter er sich vorwagt, desto zahlreicher werden die Löcher in dem hölzernen Untergrund. Denn der Deutsche Hermann (Lutz Holzhausen) war noch schlauer als die ihm eigentlich überlegenen Römer. In der scheinbar aussichtlosen „Hermannsschlacht“ geht der deutsche Fürst als Sieger hervor, weil er die Italiener an Hinterlist und Tücke noch übertraf. Doch auch er geht als Verlierer vom Platz, auf dem der Stellungskrieg stattfand: Seine Frau Thusnelda (Katja Danowski), die er in einem strategischen Schachzug als Lockvogel für den Römer Ventidus (Philipp Otto) eingesetzt hat, entwickelt mehr Gefühle für diesen, als ihm lieb sein kann. Thusschen wird die Ehefrau zwar von ihrem Mann genannt. Sie ist aber keineswegs ein Anhängsel ihres Gatten. Katja Danowski gibt sie als eigenständige Frau, die zielstrebig ihren Weg geht und ihre Verletzungen in Aktionen umsetzt, statt still vor sich hin zu leiden. Wie ein geprügelter Hund sitzt Hermann trotz des militärischen schließlich am Rand der Bühne.
Der Krieg kennt nur Verlierer. Das ist die Kernaussage von Regisseur Dusan David Parizek, der den nationalistisch eingefärbten Text von Kleist um diese Töne entschlackt, auf fünf Personen reduziert und zu einem Konversationsstück konzentriert hat. Statt Schlachten blutrünstig umzusetzen, wird hier nur von ihnen geredet. Parizek verzichtet auf gewollte Aktualisierungen, sondern verdichtet das Stück auf die Ehetragödie, die nur ein Spiegelbild der nationalistischen Verblendungen der Gesellschaft ist. Verdienter Beifall für die Regie- und Ensemblearbeit gab es am Schluss vom Schauspielhauspublikum.
Birgit Schmalmack vom 18.10.07
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