hamburgtheater

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seit zehn Jahren online
berichtet über die Hamburger Theaterszene mit eigenen Kritiken
stellt eine Linksammlung zu den weiteren im Netz verfügbaren Kritiken zusammen

"Licht im Dunkeln" im Ernst-Deutsch-Theater Foto: Oliver Fantitsch

Neu besprochen

Ariadne auf Naxos Was soll das Theater liefern: Tief ergreifende Kulturextrakte oder witzige erheiternde Unterhaltung? Nicht nur zu Zeiten Richard Strauss gingen hier die Meinungen auseinander. In seiner Oper „Ariadne auf Naxos“ thematisiert er die Problematik auf der Bühne. Ein Mäzen hat einen Komponisten (Cristina Damian) mit einem Werk beauftragt. Es ist tragisch, traurig und schwarz geraten. Es geht um die tragische, unerfüllte Liebe der Ariadne (Anne Schwanewilms). Um seine Gäste nicht allzu sehr zu strapazieren holt er kurz vor der Uraufführung eine Impro-Truppe dazu, die den Abend aufpeppen soll. ...

 

Titos Brille Gastgeber Thomas Ebermann annonciert die Autorin, die er im Mai in die Vers- und Kaderschmiede eingeladen hat: Adriana Altaras zeichne sich durch Witz, der aber nicht die Trivialitäten der Spaßgesellschaften bediene, und durch eine Schamlosigkeit aus, der keine kritische Aufdeckung peinlich sei. Nein, die kroatisch-jüdisch-deutsche Autorin surft gekonnt durch die Neurosen ihrer Familie und erkennt nicht erst in einem Wochenendseminar, dass sie als Kind von Überlebenden eine Prägung erfahren hat, die diese Neurosen zu ihren eigenen haben werden lassen. Doch sie verfällt nicht wie ihr jüdischer Freund Rafi in anklagende und beleidigte Depressionen, die im Wunsch nach Auswandern münden, sondern nimmt beherzt, wortgewaltig und selbstironisch den lustvollen Widerstreit ihrer zahlreichen Identitäten auf. Sie beschreibt den ganz normalen Wahnsinn des deutsch-jüdischen Lebens. ...

 

Tschechow Scherben Das Spiel des Lebens Das Leben zerspringt in Einzelteile. In der Erinnerung bleiben einzelne Momente präsent, andere verschwinden im Vergessen. Die Abfolgen werden neu geordnet, bestimmte Augenblicke werden immer wieder durchlaufen. Ebenso ordnet der Regisseur Wladimir Tarasjanz Texte von und über Tschechow zu einem Abend über den Dichter und seine Figuren. Er mischt Teile aus Tschechows Theaterstücken, Erzählungen und Erinnerungen seiner Ehefrau so elegant, dass sich die einzelnen „Scherben“ wieder zu einem Ganzen zu fügen scheinen. ...



Zeit Der Mensch hat siebzig oder, wenn es gut läuft, achtzig Jahre Lebenszeit zur Verfügung. Was macht er nun daraus? Auf den immer gleichen Bahnen dreht er seine Runden, so gleichförmig getaktet wie die Zeiger einer Uhr. Selten verlässt er die wohl vertrauten Wege. Auch wenn er enttäuscht von ihren Verläufen ist, scheut er das Risiko einer Veränderung. So ernüchternd fällt Ingrid Lausunds Blick auf das Phänomen „Zeit“ in den Hamburger Kammerspielen aus...

 

Dantons Tod Ein grummelnder Elektro-Rock-Teppich dröhnt. Nebelschwaden qualmen. Ein Feuer lodert. Die riesige, offene Weltkugel dreht sich, von rennenden, keuchenden Menschen angetrieben. So stark beginnt Jette Steckels Inszenierung von „Dantons Tod“ am Thalia Theater. Später hockt Danton oben auf der Weltkugel und träumt, dass er die Macht zur Weltgestaltung besitze könnte. Doch da weiß er schon, dass sein Projekt der Revolution für die Armen gescheitert ist. Fünf Jahre nach dem Sturm auf die Bastille haben sich neue Nutznießer etabliert,...

 

Licht im Dunkeln In ihrem kleinen Schrank ist Helen gefangen. Liebevoll ist er von ihren treusorgenden Eltern hergerichtet, doch beschränkt er sie auf ein nur zu ertastendes Umfeld. Sie ist nach einer Krankheit im Alter von 19 Monaten taubstumm und blind. Worte erschließen erst die Welt. Sie lassen erst zu, dass Gefühle, Gedanken und Geschehnisse benannt und erkannt werden können. Die Sprache eines Menschen ist die Voraussetzung für seine geistige Teilhabe an der Welt. ... Foto: Oliver Fantitsch



Befreier Fall Ein Mann steht bewegungslos wie eine Schaufensterpuppe. Es fällt ein Schuss. Der Mann fällt in Zeitlupe zu Boden. Von einem zuschauenden Paar kommt der männliche Part auf den Stürzenden zugerannt. Minutenlang wälzen sich die Beiden auf dem Boden. Der Sterbende wird eins mit dem Haltenden. Diese Endszene aus dem Fassbinder-Fim „Der amerikanische Soldat“ bildet den Ausgangspunkt für Philipp van Heijdens Untersuchung über das Fallen. ..

 

Lügen! Erhebt die permanente Selbstdarstellung, zu der sich heutzutage jeder bemüßigt fühlt, das Lügen nicht zu einer Dauerverfassung statt zu einer Ausnahmeerscheinung in Notfällen? So muss man lügen, um endlich wieder der Wahrheit auf die Schliche zu kommen? Die 10 Protagonisten der Szenen, die Nikolas Darnstädt geschrieben hat, versuchen die immer größer werdende Diskrepanz zwischen ihrem Selbst und ihrer Umwelt aufzuspüren. Sie sind sich dabei der Fallstricke der eigenen Wahrnehmung genauso bewusst wie der Fremdzuschreibung ihrer Umgebung. Sie landen mit sicherem Gespür für die Abgründe genau in der Gletscherspalte dazwischen. Eingequetscht von ihren eigenen und den fremden Erwartungen versuchen sie sich durch dezidierte Beschreibung ihrer Lage wieder aus der Klemme zu befreien. ...Foto by Jasper Stange





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