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Gebrüllt vor Lachen, Theater Das Zimmer Dieser Abend zeigt die Abgründe heutiger einsamer Großstadtmenschen, die so gerne Aufmerksamkeit bekommen und zu einer Gemeinschaft dazugehören würden, aber stets die verkehrten Mittel dazu wählen, dies zu erreichen. Die zugespitzte Komik des Abends balanciert direkt am Abgrund. Dank der beiden perfekt aufeinander abgestimmten Darstellenden (Anke Bautzmann und Colin Hausberg) gelingt das sehr gut. Wenn die Beiden dabei auf der kleinen Podestbühne eher im Imaginären bleiben noch besser, als wenn sie ihre Ängste direkt ausagieren. So ist es eine Arbeit geworden, die zugleich unterhält, geschickt problematische Entwicklungen aufspießt und nachdenklich macht.

Le monde est fous, Jupi Bar Diese Arbeit ist weit davon entfernt, den Roman auf der Bühne nacherzählen zu wollen. Vielmehr lässt er die Zuschauenden zufällige Begegnungen wie in einer Bar miterleben. Man lernt ein paar interessante Menschen kennen, belauscht ihre Ergüsse, hört ihren Geschichten zu und kommt ins Grübeln über die Verrücktheit der Welt. Der früheren und der aktuellen. Denn die Gier stützt nicht nur heute das System. Und so lange das so bleibt, bleibt die Welt so verrückt, wie sie uns gerade auch auf dem europäischen Kontinent erscheint. Wähnte man sich in Europa eigentlich weit weg von den chaotischen Zuständen in anderen Erdteilen, muss man jetzt erkennen, wie schnell sich dieser Eindruck ändern kann.

Dschinns, Thalia Regisseur Mican weiß den Roman von Fatma Aydemir bilderreich, atmosphärisch dicht und effektvoll umzusetzen. Langweilig wird es nie. Doch dabei bedient er auch viele Klischees, die nicht in allen Fällen ausdifferenziert werden. Dennoch: Es ist eine Inszenierung, die wieder einmal neue, jüngere und diversere Publikumsschichten ins Thalia Theater zieht. Am Schluss der Premiere gab es reihenweise jubelnde Standing Ovations.

Medea in Korinth, DSH Doch der naive Jason durchschaut seine Noch-Frau nicht. Als seine neue Verlobte zusammen mit ihrem Vater in Flammen aufgeht, schwant ihm, dass er „seine“ Medea nie richtig verstanden hat. Doch sie hat noch mehr in petto. Erst als er die leblosen Körper der beiden Kinder sieht, wird ihm klar, dass er sie völlig unterschätzt hat. Sie ist keine, die sich zu einem Opfer machen lässt. Wenn sie alles verlieren muss, sorgt sie dafür, dass auch alle anderen mit ihr in den Abgrund stürzen müssen. Lina Beckmann ist das Kraftzentrum dieser Inszenierung. Sie ist die Frau, die sich nichts gefallen lässt. Sie fügt sich selbst den größten Schaden zu, um ihre Stärke wieder zurück zu gewinnen. Niemand nimmt ihr ungestraft alles. Das macht Regisseurin Karin Beier mit dieser konzentrierten, eindrucksvollen Interpretation der Medea-Geschichte, die alles auf eine Karte setzt, überaus deutlich.

Between Volga and Void, Lichthof Woher kommst du? Diese Frage ist bei ihr eine, die zu weiteren Fragen führt. Sie selbst ist in Deutschland geboren, ihre Eltern kommen aus Kasachstan, sind aber keine Kasachen, sprechen russisch, sind aber keine Russen, sondern ethnische Deutsche. Also was ist die Tochter jetzt? Lange Zeit verdrängte sie diese Problematik völlig, sie lebte in Deutschland und lehnte alles Osteuropäische völlig ab. Doch dann wollte sie plötzlich mehr erfahren und fuhr nach Kasachstan, sprach mit ihrer Oma und erfuhr die ganze Geschichte. Wird die in der Schule gelehrt? Eher nicht. Also referiert Katharina Schleicher sie auf ihrem Teppich in Kurzversion.

Clockwork Orange, EDT Ey, was ist denn jetzt angesagt? Keine Frage: Bei Alex und seinen Droogis ist nach dem Einwurf von einer Moloko-Milch mit berauschendem Zusatz immer Aktion angesagt. Sie finden den Kick in der Gewalt. Sie kanalisieren ihre jugendliche Energie im Fertigmachen von Menschen, die sie nichtsahnend in ihren gutbürgerlichen Häusern überfallen. Mal wird einer zusammengeschlagen, mal vergewaltigt, mal umgebracht. Doch Alex liebt auch Beethoven und Bach. Seine Musik öffnet ihm für kurze Momente den Himmel. So ist auf der Bühne des EDT das Panorama der Laeiszhalle zu sehen, auf der sich bei jeder gewalttätigen Aktion blutrote Spritzer ausbreiten.

Timmy, the Hope, EDT Diese provozierende, witzige und kluge Theaterarbeit von Klessinger bringt völlig neue Zuschauende ins Ernst-Deutsch-Theater. Auch zur anschließenden Podiumsdiskussion mit wechselnden Expert:innen zu den angesprochenen Themen bleiben die Reihen fast vollständig gefüllt. Das belegt, wie Marco Damghani aus dem künstlerische EDT-Leitungsteam an diesem Abend als Moderator bemerkte, dass öffentliche, analoge und direkte Räume des Austausches dringend benötigt und gewünscht werden. Theater können auch dazu ihre Türen öffnen.

Deutsches Haus, Thalia Dröse wirft die Zuschauer:innen von einer Stimmung in die nächste und verhindert so, dass ihre Inszenierung einen allzu moralischen Unterton bekommt. Dennoch überwiegt zum Schluss Evas Erkenntnis: Sie entscheidet sich für das Wissenwollen. Einfach ist dieser Weg nicht. In Warschau angekommen, bittet sie bei dem ehemaligen Lagerfriseur um eine Komplettrasur, wie einst die Häftlinge sie bekamen. Doch er verweigert ihr diesen Dienst. „Das steht Ihnen nicht“, hört sie zunächst. Als sie wieder draußen auf der Straße ist, bemerkt sie ihren Übersetzungsfehler: „Das steht Ihnen nicht zu“, hatte er gesagt. Diesen Trost sollen die Deutschen nicht bekommen. (© Kerstin Schomburg )

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