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Le monde est fous, Jupi Bar

Le monde est fous, Jupi Bar

Foto: Gabriele Schwark

Die Welt ist verrückt

„Am Anfang war der Stein, und der Stein schuf den Besitz und der Besitz den Rausch, und im Rausch kamen Menschen jedweder ….und erdachten zwischen Markt und Minen ein System.“
Diese Passage aus dem Roman „Tram 83“ von Fiston Mwanza Mujila bildet den Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung „Le monde est fou“, die die Regisseurin Isabelle McEwen zusammen mit ihrem Team - dem Jazzschlagzeuger Dirk Achim Dhonau, der Experimentalmusikerin Dong Zhou und dem Tänzer und Schauspieler Noah Tete - gestaltete. Passend dazu hatten sie sich ihren Aufführungsort ausgesucht: Der Roman, der größtenteils in einer Bar spielt, fand in der Jupibar im Gängeviertel statt. Hier treffen nun Menschen aus aller Welt aufeinander, die die Gier nach dem Geld rief. In einer nicht näher benannten afrikanischen Stadt begegnen sich Menschen, die der Wunsch nach dem schnellen Erfolg zusammenbringt. Gauner, Künstler, Geschäftsleute, Prostituierte, Kleinkriminelle und Großunternehmer. Davon sind in der Hamburger Umsetzung zwei Menschen übrig geblieben: Requiem, der selbstbewusste mafiöse Gauner und der eher introvertierte Schriftsteller Lucien. Sie beide haben nicht viel gemeinsam und reden größtenteils aneinander vorbei. Jeder will etwas anderes. Vereint nur in ihrem Willen an etwas Neuem teilzuhaben und möglichst Erfolg zu generieren. Doch sie bleiben beide auf der Suche, eigentlich orientierungslos und ohne Visionen.

Doch das ist kein Wunder, denn die Welt ist verrückt geworden, wie der Titel des Abends verrät. Welche Steilvorlage für eine zeitgemäße Umsetzung. Denn die Welt ist auch heute aus den Fugen geraten. So erfindet Lucien in der Gestalt von Dirk Achim Dhonau ein Gedicht, das die Welt in Europa heute beschreibt. Jede Gewissheit scheint in Frage gestellt zu sein. Alle als sicher geglaubten Sicherheiten lösen sich in unfassbarer Schnelle vor unseren Augen auf. „What had they left“, fragt derweil Dong Zhou in einem ihrer Songs und spielt damit auf die Frage der erlittenen Kolonialisierung des Landes an. Das System müsse gestürzt werden. Das rufen die zwei Frauen, die auf dem Sofa auf der oberen Ebene der Jupibar sitzen, mitten in das Stück hinein. Doch davon will Requiem nichts wissen. Er lebt bestens von diesem Chaos, das genau dieses System immer wieder reproduziert. So bleiben ihre Rufe unerhört und alles geht weiter wie bisher.

Diese Arbeit ist weit davon entfernt, den Roman auf der Bühne nacherzählen zu wollen. Vielmehr lässt er die Zuschauenden zufällige Begegnungen wie in einer Bar miterleben. Man lernt ein paar interessante Menschen kennen, belauscht ihre Ergüsse, hört ihren Geschichten zu und kommt ins Grübeln über die Verrücktheit der Welt. Der früheren und der aktuellen. Denn die Gier stützt nicht nur heute das System. Und so lange das so bleibt, bleibt die Welt so verrückt, wie sie uns gerade auch auf dem europäischen Kontinent erscheint. Wähnte man sich in Europa eigentlich weit weg von den chaotischen Zuständen in anderen Erdteilen, muss man jetzt erkennen, wie schnell sich dieser Eindruck ändern kann.

Birgit Schmalmack vom 19.10.26

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