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  • immer wieder mit einem Berlin-Special

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Hope, Thalia Theater Der Abend verzichtet auf einen stringenten roten Gedanken- oder Handlungsfaden. Die Wirrnisse der heutigen Zeit finden ihr passendes Abbild in der Vielgesichtigkeit der Probleme auf der Bühne. Doch wie soll so die „Hoffnung, dieses Ding mit Federn“ (Emily Dickinson) heutzutage noch zu bewahren sein? Vielleicht einfach dranbleiben, weitermachen und die Hoffnung als Muskel ansehen, den man trainieren muss? Mit dieser vagen Aussicht endet das Stück im Thalia Theater. Es ist ein spannender Abend geworden, der keine Minute Langeweile aufkommen lässt. Er scheut aber auch nicht vor gut klingenden Plattitüden und vor esoterisch anmutenden Lösungswegen zurück. Doch zwischendurch funkeln immer wieder Szenen von berührender Wahrhaftigkeit. Er ist eben wie ein Kaleidoskop, das kurze Schlaglichter auf unsere auseinanderdriftende Gesellschaft wirft, die ebenfalls wenig auslässt. (Foto: Kerstin Schomburg)

Nebenan, St. Pauli Theater Waller hat es mit seinem bis in alle Nebenrollen hinein perfekt besetzten Ensemble verstanden, ihre Charaktere psychologisch bis in die kleinste Nuance hinein zu erarbeiten. Oliver Mommsen gibt den sympathisch auftretenden und dennoch unverhohlen arroganten Erfolgswessi mit jeder Faser seines Körpers. Stephan Grossmann ist ein überragender Strippenzieher, der gerade aus seiner scheinbaren Naivität und Harmlosigkeit seine Stärke zieht. So unscheinbar er auch zunächst wirkt, so schlagkräftig zaubert er nach und nach seine Beweise aus seiner abgeranzten Aktentasche. Über den Hinterhof musste er allzu lange dem selbstgewissen Treiben des Filmstars zuhören und zusehen. Wohlwissend, dass dieser erfolgsverwöhnte Typ nie in seinem Leben auch nur einen Gedanken daran verschwendet hatte, wen er aus seiner ausgebauten Maisonette-Wohnung vertrieben hatte. (© Kerstin Schomburg)

Bodies under water, Malersaal Der Abend von Annalisa Engheben verzichtet bewusst auf große Theatermittel. Er setzt ganz auf seine beiden Performerinnen, die aus ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen sehr persönliche Geschichten auf der Bühne erzählen. Die Beiden schaffen es spielend, jede entstehende Stille mit ihrer Präsenz zu füllen. Nichts wirkt abgespult, sondern wie frisch ersonnen. In den ganz ruhigen Momenten, in denen die Beiden sich nur der Kommunikation mit dem imaginierten Wasser, das einzig aus Nebel und Licht entsteht, hingeben, meint man das Rauschen förmlich zu hören. Regisseurin Engheben traut sich mit dieser zweiten Arbeit am Schauspielhaus, sich ganz auf den Moment zu verlassen. Das erfordert Mut, Vertrauen und eine Verbundenheit, die genau die thematische Grundlage dieses Experiments ist. (Foto: Maris Eufinger)

St. Pauli Theater meets Elbphilharmonie Der „kleine Kutter St. Pauli Theater“ hatte es wieder einmal bis in die Premiumlage an der Elbe geschafft, wie Intendant Ulrich Waller und Thomas Collien es zu Beginn ausdrückten. Das St. Pauli Theater war zu seiner Neujahrsgala in guter alter Tradition in die Elbphilharmonie geschippert und hatte für ihr beliebtes Neujahrskonzert "St. Pauli Theater meets Elbphilharmonie" so viele Gäste angelockt, dass die Ränge bis hoch unters Dach gefüllt waren.

De Schimmelrieder, OHNSORG Im Ohnsorg Studio lässt Regisseur Ingo Putz mit seinem Dreier-Cast ein hochspannendes Kammerspiel über Fortschritt, Innovation und Ideale im Widerstreit mit Gewohntem, Aberglauben und kleinstem Raum entstehen. Das glückt auch durch das geniale Bühnenbild von Yvonne Marcour, das die Präsenz des Wassers als widerständiges und lebensfeindliches Element jederzeit sichtbar und fühlbar macht. Wenn die Schauspieler:innen im Laufe des Abends immer triefender werden, wenn sie sich mit nasser Kleidung, vollgesogenen Sandsäcken und Schuhen versuchen, den Kopf über Wasser zu halten, ist das auf der Bildebene so einfach wie überzeugend. (Foto: Sinje Hasheider)

Achtsam Morden durch bewusste Ernährung, Altonaer Der Abend nach Karsten Dusses Bestseller unter der Regie vom Hausherrn Axel Schneider lebt von dem Spaß der Schauspielenden: Dirk Hoener, der als Anwalt Björn Diemel durch die Handlung führt, Chantal Hallfeldt und Georg Münzel in allen weiteren Rollen. Und von der Ankleiderin, die immer auf der richtigen Seite beim Umziehen hilft und auch mal in ein Leopardenkostüm schlüpft. Das ist ein großer Spaß für das Publikum, bei dem allerdings der Inhalt ebenso schlicht ist wie die Bühnengestaltung. Selbst der Titel führt in die Irre: Zwar darf Breitner etliches über bewusste Ernährung zum Besten geben, aber auf einen Mord wartet man bis zum Ende vergebens.

Titanic, Theater Das Zimmer Auch die letzte Szene findet auf das Parkett des kleinsten Theaters in Hamburg: Doch hier liegt Rose nicht auf einem Türblatt, sondern oben auf dem Klavier und Jack hält ihr kniend die Hand. So lange, bis er versinkt. Kurz ein rührender Moment. Doch halt, schließlich ist dies heute eine Komödie und so stimmen alle zusammen in den berühmten Titanic-Song ein. Aber erst nachdem sie die schnulzige deutsche Version von Vicky Leandros über sich ergehen lassen mussten. Erleichtert geben sich alle zusammen den Erinnerungen an die Geschichte "Schöne Menschen spielen große Gefühle", wie der Untertitel es versprach, hin. Einhellige Meinung im Publikum: Äußerst gelungen, super gespielt, mit einem Wort: hervorragend.

Ruslan und Ljudmila, Staatsoper Hamburg Man hätte erwarten können, dass diese „erste“ russiche Oper, die nun in der Hamburger Oper inszeniert wird, für direkte politische Äußerungen genutzt werden würde, doch die Regisseurinnen haben sich dafür entschieden, dass sie ihre Interpretation weiträumiger anlegen. Nicht nur als Parteinahme gegen die russische Aggression, sondern auch gegen die Repressalien der queeren Szene in Ungarn, gegen rechte Strömungen in Deutschland und gegen aufkeimende Unterdrückung alles Woken in den USA. So lassen sie den Raum für viele Assoziationen anstatt allzu schnelle Schlüsse vorzuzeichnen. (© Matthias Baus)

Salon Arsenalna, Kantine Schauspielhaus Das Zusammenkommen und das Zuhören stehen im Fokus dieses Salons, der nach einem U-Bahnhof benannt worden ist. Literarische Texte, Erinnerungen, Erzählungen und Erfahrungen werden ausgetauscht und so zu einem Gesprächsanlass sowohl für die deutschen wie für die ukrainischen Besucherinnen des Salons. Ein Raum, in dem nicht nur Platz für Trauer, sondern auch für Humor und Hoffnung ist.

Operette für zwei schwule Tenöre, Schmidtchen Dass ihre Vorstellungen dann doch nicht kompatibel sind, gibt dieser Operette zwar kein Happy End, aber doch ein hoffnungsvolles und positives Ende. „Ein Liebeslied von Mann zu Mann hätte mir als Junge so gutgetan.“ Diese erste schwule Operette von Florian Ludewig (Musik) und Johannes Kram (Text) ist seit Jahren ein Dauerbrenner auf zahlreichen Bühnen Deutschlands. So danken die Darsteller am Schluss allen, die vor ihnen dafür gekämpft haben, dass schwule Menschen mittlerweile mehr Sichtbarkeit haben. Begeisterter Applaus auch im Schmidtchen in Hamburg.

Smash Comedy, Theaterschiff Das Publikum fühlte sich, egal ob männlich, weiblich oder *, bestens unterhalten. Dieses Comedy Programm bewies, dass die Flinta Szene genügend tolle Kabarettistinnen zu bieten hat. Ihre Themen und Persönlichkeiten waren so vielfältig wie das Leben. Man merkte dem Programm an, dass alle direkt aus dem echten Alltag kamen. Hier standen echte Menschen auf der Bühne, die mit ihrem humorvollen Blick auf die Welt für neue, humorvolle Perspektiven sorgten. Ob provozierend, systemkritisch, vermeintlich spießig oder burschikos sexy, so vielfältig kann Frauen-Comedy sein.

Gaslight, English Theatre Die Inszenierung von Paul Glaser lebt von dem ausgezeichneten Ensemble. Jede der fünf Rollen ist perfekt besetzt. Hier stimmt jede noch so kleine Mimik. Doch ohne den Ian Bailey als Inspektor Rough wäre dieses Stück nur halb so gelungen. Wie dieser in seinem immer noch ungebrochenen Ermittlungseifer um die Menschen und Fakten herumtänzelt und Stück für Stück die Wahrheit ans Licht holt, ist absolut sehenswert. Er ist das Zentrum dieses Abends, der psychologisch sensibel den Begriff Gaslighting so in eine Handlung umsetzt, dass seine Auswirkung in jedem Moment nachfühlbar ist und seine Auflösung über (mit Pause) fast drei Stunden lang fesselt.

Der Talisman, Thalia Kraft zieht auf diese Weise geschickt die Schraube der Komödie noch ein bisschen fester an. Das ist sicher ganz im Sinne des Autors Nestroy, der sich in seinen Stücken gerne in der Art des schenkelklopfenden Volkstheaters über die Vordergründigkeit der wienerischen Gesellschaft lustig machte und sie zu entlarven versuchte. Kraft überträgt dies sehr klug in eine Comicwelt, in der er das Stück in all seiner Komik abspulen lässt, aber mit einer eingezogenen Metaebene gleichzeitig als Spiel zeigt und hinterfragt. Das ist eine Arbeit, die nicht nur sichtbar dem Ensemble riesigen Spaß bringt, sondern auch dem Publikum. (Foto: Krafft Angerer)

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