Shakespeareriment, Monbijoutheater
Lebe den Augenblick
Ein paar Wochen zum Textlernen, eine einzige Durchlaufprobe und eine singuläre Aufführung. Das ist das Konzept von „Shakespeareriment“. Welches Stück würde sich besser dafür eignen als die „Komödie der Irrungen“? Zwei Zwillingspaare treffen, ohne sich zu kennen, in Ephesus aufeinander. Die Verwechselungen sind vorprogrammiert. Die Ehefrau, die auf ihren Mann wartet, der nicht kommt. Stattdessen sein Zwilling, der die Dame aber natürlich nicht kennt. Der echte Ehemann hat ihr eine Kette versprochen, die dem anderen Zwilling geliefert wird. Das Geld dafür wird vom ersten eingefordert. Zusätzlich haben sie jeder einen Diener, das zweite Zwillingspaar. Das sorgt natürlich für weitere Verwirrungen.
Dieses Stück ist natürlich die perfekte Ausgangslage für eine Adhoc-Inszenierung, die Impro-Einlagen aller Schauspielenden erforderlich macht. Die Kostüme sind aus dem Fundus. Als Waffen dienen wahlweise Peitschen oder Schwimmnudeln. Es wird keine Rolle eingespart, auch wenn einige nur einen kurzen Auftritt haben. Es geht um den Spaß an dem gemeinsamen einmaligen Erlebnis. Die Reaktion des Publikums ist Teil des Vergnügens. Doch während von diesem nur ein Einlassen auf den Moment gefordert ist, haben die Schauspielenden eine Menge zu leisten. Sie müssen sich ganz auf ihren Instinkt verlassen können. Sie legen ihre Rollen sehr unterschiedlich an, denn den gemeinsamen Regiefokus gibt es konzeptgemäß nicht. Manche im übertriebenen Komödienstil, manche mit großen Gesten, manche mit viel schauspielerischem Einfühlungsvermögen. Stimmlich kommen nicht alle gegen die Geräuschkulisse am Spreeufer gleich gut an. Das ist kein Problem, denn der Text wird zwar im englischen Original gegeben, doch er spielt hier nicht die Hauptrolle. Die obliegt dem Gestaltungsfreiraum des Ensembles.
Doch das Monbijoutheater ist bis unters Dach brechend voll und die Lacherquote gerade bei Textausfällen, bei denen die Souffleuse einspringen muss, extrem hoch. So verlassen alle vergnügt und beschwingt das Openairtheater, ohne sich über irgendeinen tieferen Sinn dieser Komödie Gedanken machen zu müssen. Es war einzig dem Vergnügen des gemeinsamen Erlebens des Augenblicks gewidmet. Und das ist doch auch schon eine ganze Menge.
Birgit Schmalmack vom 16.7.26
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