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Triple Bill, Kampnagel

Triple Bill, Kampnagel

Laurent Philippe

Zum Schluss ein Tanzfeuerwerk



Die Spannung baute sich an diesem Abend erst langsam auf. Zwar brannte die Welt auch im ersten Stück des CCN - Ballets de Lorraine schon. So stand es jedenfalls zum Schluss von Jan Martens’ TURNING BURNING aus dem Jahr 2016 auf den T-Shirts der Tänzer*innen zu lesen. Doch sie hatten beschlossen sich einfach weiter zu drehen. Und das taten sie unermüdlich. In einer Präzision wie ein Uhrwerk, wie eine Maschine, die stets ineinandergriff, in einer sekundengenauen Abstimmung der Bewegungen und der Zeit. Sie drehten sich um sich selbst, um die Gruppen, im Kreis, in mehreren Kreisen und zum Schluss nur alleine in ihrem eigenen Zentrum als Mittelpunkt. Bis sie sich in eine Reihe stellten und im Umdrehen das Motto dieser Arbeit zeigten: „The world is burning, but I am still turning.“

Die zweite Choreographie von Twyla Tharps THE FUGUE aus den 70zigern war in ihrer technischen Perfektion ebenso faszinierend. Die drei Tänzer vollführten in atemberaubender Geschwindigkeit Bewegungen zwischen Stepptanz und Breakdance. Sie bewegten ihre Füße, Arme und sonstigen Körperteile in einer schnellen Abfolge, dass einem schon beim Zusehen schwindlig werden konnte. Zwischendurch griff sich einer auch mal kurz ans eigene Ohr und zog daran. Die Genauigkeit, Eleganz und Perfektion war beeindruckend.

Doch das dritte Stück A FOLIA von Marco da Silva Ferreira, das unter der neuen Leitung der Compagnie entstanden war, war der Höhepunkt dieser Schau ihres Könnens: Hier brodelte die Feier der Bewegung, die Freude an der Gemeinschaft und die Ekstase beim gemeinsamen Tanzen bis in die hintersten Reihen der prall gefüllten K6. Wie ein munteres Partyvölkchen, das sich in einen der Großstadt-Clubs aufmacht, strömen die Tänzer*innen herein. Alle in ihrem eigenen Tanzstil, der ihnen ihre Individualität gibt. Und dennoch werden sie irgendwie wie ein großer gemeinschaftlicher Körper aus vielen Einzelteilen zusammenschmelzen. Sie wiegen sich zusammen im Takt, recken zusammen die Arme und bouncen zusammen zum Rhythmus der Musik. Immer wieder geht einer von ihnen in die Mitte und gibt hier seinen eigenen Gefühlen tanzend Ausdruck. Interessant auch, als eine von ihnen ihre dicken Boots dazu nutzt, einen Spitzentanz zu versuchen. Doch dann fließen in die Musik Klänge aus dem klassischen Repertoire ein. Frühere Tanztraditionen werden zitiert und lassen die Verbindungslinien zwischen Heute und Gestern erkennen. Die Choreographie knüpfte damit an die Rituale des portugiesischen Volkstanzes des 15. Jahrhunderts an und übersetz sie in eine so mitreißende Arbeit, dass es viele zum Schluss von den Stühlen riss.

Birgit Schmalmack vom 21.6.26

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