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Romeo und Julia, Schauspielhaus

Romeo und Julia

Birgit Hupfeld

Liebe, Macht, Tod

Oder doch eher: Liebe macht tot?
Ja, man kann an der Liebe sterben. Das wird in der Geschichte von „Romeo und Julia“ seit Jahrhunderten immer wieder vorgeführt. Auch in der Inszenierung von Elsa-Sophie Jach am Residenztheater München? Vielleicht…. Denn zum Schluss hält die Regisseurin einen kleinen Twist als Überraschung bereit.
Das ist nicht die einzige. Zunächst ist da das imposante Bühnenbild von Marlene Lockemann: eine bühnenbreite Wand aus lauter Metallverstrebungen auf der Drehbühne. Wenn die einzelnen Etagen sich um den Drehpunkt in ihrer Mitte auffächern, entstehen Treppenauf- und abgänge, Terrassen, Vorsprünge und Brücken. Als Klettergerüste sind sie ebenfalls bestens tauglich, was das bewegliche Ensemble zu stuntreifen Szenen nutzt. Zunächst trennt diese Mauer aber zwei in Verona verfeindete Familien: die Montagues und die Capulets. Als sich ausgerechnet Romeo und Julia, die aus diesen unversöhnlichen Lagern stammen, ineinander verlieben, ist der Konflikt zusätzlich angeheizt. Doch die Beiden lassen sich von ihrer Liebe, obwohl sie bisher nur eine Nacht gedauert hat, nicht abbringen. Zwangsheirat mit Prinz Paris ist die Konsequenz für Julia und Verbannung für Romeo. Was nun? Pater Lorenzo hat die Idee zu einem gefährlichen Ausweg parat, Julias Amme hilft bei seiner Aufführung. Doch wie man weiß, der Plan geht schief, jedenfalls im Original.
In der Übertragung von Thomas Brasch wird die Sprache Shakespeares nie verraten, aber dennoch ins Heute übersetzt. Das macht den Text noch leichter zugänglich. Das überaus bewegliche, die ganze Vielfalt des Bühnenbildes ausnutzende Ensemble zusammen mit der Livemusik aus dem Hintergrund bildet die perfekte Grundlage für die beiden Stars des Abends: Lea Ruckpaul als Julia ist eine Sensation. Was sich auf ihrem Gesicht abspielt, ersetzt viele Zeilen Text. Außerdem sprintet, springt und klettert sie über das Metallgerüst der Bühne mit solcher Leichtigkeit, dass man ihr die Dreizehnjährige sofort abnimmt. Vincent zur Linden ist ihr ein ebenbürtiges Gegenüber, der seine Stimme und seinen Körper ebenso punktgenau zu steuern weiß. Zusammen ergeben sie ein perfektes Paar, das wie geschaffen zu sein scheint für dieses so junge und so verliebte Paar, das alle Hindernisse mit der Kraft der Liebe einfach überspringen will.
So ist diese Inszenierung, die als Gastspiel des Münchner Residenztheaters zu sehen war, ein Highlight des diesjährigen Hamburger Theaterfestivals. Hier macht alles glücklich: Die kluge Textübertragung von Brasch, das imposante Bühnenbild, das immer neue Assoziationsräume aufmachte, das energiegeladene Ensemble, der passende Live-Soundtrack und die herausragenden Darstellenden der Titelfiguren. Wenn dann noch mit wenigen kleinen Moves en passant eine feministische Botschaft mit einfließt, ein Vielleicht einer neuen Perspektive, dann darf man das einen perfekten Theaterabend nennen. Am Schluss steigt Julia nämlich einfach aus ihrer Geschichte aus und verkündet: "Sterne, seht euch vor! Ich schreib’ ein Drama." Als kleine Streicheleinheit für das Hamburger Selbstbewusstsein sei angemerkt: Jach hat einst an der Hamburger Theaterakademie Regie studiert.
Birgit Schmalmack vom 12.06.26





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