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State of Affairs, Thalia Foto: Krafft Angerer

Warum Berlin?

In Berlin probiert sich die Welt aus. Hält dieser Eindruck dem Praxistest stand? Interviews mit 52 Künstler:innen

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State of Affairs, Thalia Sie tut zwar so, als wenn sie deutliche Botschaften hätte, aber konterkariert sie dann durch ihr Tun auf der Bühne, das genau so selbstverliebt, egoistisch und kleinkariert wie das aller anderen ist, die sie angeblich mit wohlfeilen Appellen beeinflussen wollte. Doch: Kein Gandhi in Sicht. Das ist eigentlich die desillusionierende Botschaft dieses Stückes, auch wenn es mit seiner Eingangs- und Schlussszene kurz mal so tat, als könnte es anders sein.(Foto: Krafft Angerer)

Kiezstürmer 2024 Von Anfängen und Schlüssen, von Klamauk und Idealen: Alles zu sehen bei den Kiezstürmen 2024 im St.-Pauli-Theater

Beethoven 7, Kampnagel Die Musik Beethovens wird in Sasha Waltz' Arbeit "Beethoven 7" ebenso erlebbar wie die von Noguera. Dass Waltz mit ihrem Team dafür jeweils ganz andere Ausdrucksformen findet, zeigt deren großer Wandlungsfähigkeit. So versöhnte der zweite Teil viele im Publikum der voll besetzten K6, die nach dem Krach des ersten etwas ratlos aus dem Saal kamen. Dennoch kann man auch nicht umhin zu sagen, dass der zweite Teil erwartbarer verlief, während der erste Teil voller überraschender Faszinationen steckte, die sich aus dem Nebel allmählich herauslösten. So war für jeden etwas dabei: Für diejenigen, die sich irritierend Neues erhofften wie für diejenigen, die sich von Beethovens schönen Freiheits-Klängen entführen lassen wollten. (Foto: Sebastian Bolesch)

Das andere Sprechen, Lichthof Ein sehr eindrucksvoller, vielschichtiger Abend, der eine wunderbare Bühnenkünstlerin zeigte, die eine Ausdrucksstärke auf die Bühne brachte, die absolut beeindruckte. Wenn man bedenkt, dass sie auch noch Dramaturgie, Konzept, Choreographie und Performance bewältigte, kann man nur sagen: Alle Achtung, ein großes Bühnentalent.

Die Schattenpräsidentinnen, DSH So ist dieser desillusionierende Abend vor allem eines: Ein großer Spaß, dem aufgedrehten Spiel der absolut überragenden Schauspielerinnen auf der Bühne zuzusehen. In den irrwitzig aufgepumpten Kostümen und aufgetürmten Frisuren beherrschen sie allesamt ihr Comedyfach in höchster Perfektion. Bauer kombiniert das mit einer gekonnten Allegorie auf tatsächliche Verhältnisse und damit einer Portion nicht ganz neuer Erkenntnisse, zu was eine vorgebliche Demokratie verkommen kann. In Deutschland mag man zum Schluss aus dem Theater gehen und denken, dass es hier nicht ganz so schlimm bestellt sei, doch wer kann sich da ganz so sicher sein?

Ivo Dimchev, Kampnagel Der Mann mit seinem blonden Undercut-Topfschnitt mit Metallstacheln zu dunklem Schnurrbart, dem offenen Jackett zu riesigen Perlenketten ist schon eine kokette Rampensau, die eine One-Man-Show hinlegt, die nichts vermissen lässt. Eine Art Freddie Mercury, der jeden seiner Songs mit einem Knicks beendet. Dieser Mann kann jede Bühne ganz alleine füllen. In seinen Songs spiegelt sich sowohl stimmlich wie klanglich ein ganzes Orchester.

Die Ärztin, EDT Dennoch zieht das Stück die Zuschauer:innen in seinen Bann. Nie wird zu dick aufgetragen, immer bleiben die Figuren glaubwürdig und verkommen nie zu einer Repräsentationsfläche. Das gilt bis in die kleinste Nebenrolle. Immer haben die Menschen auf der Bühne auch noch eine zweite Seite, die das divers und hervorragend besetzte Ensemble nachfühlbar interpretiert. Zum Schluss gab es begeisterten Applaus und Standing Ovationen. Verdient, denn das Stück scheut keine Konflikte und beleuchtet dennoch alle Aspekte wohl differenziert. (Foto: Fantitsch)

Traum(a), Kampnagel Der Regisseur Branka Simic´ stellt sich ganz in den Dienst der Geschichte des Jungen, dessen Leben durch den Krieg ein anderes wurde. Er verzichtet weitgehend auf theatrale Inszenierungsmittel. Weder schafft er eine explizite Bühnensituation noch lässt er den Schauspieler Drazen Pavlovic seine Rolle ausagieren. Sehr schlicht lässt er die Geschichte von Alen S?imic´ und die Bilder des Fotografen Armin Smailovic aus dem ukrainischen Kriegsgebiet auf die Zuschauer wirken.(C) Armin Smailovic

Société Anonyme, Schauspielhaus Langweilig wird es für die Zuhörenden nicht, auch wenn es nichts zu sehen gibt. Denn gerade die Finsternis, die den Sehsinn ausschaltet, schärft alle übrigen. Ohne Ablenkung durch das Äußere ist die Konzentration auf das Gehörte möglich. Zu den Stimmen imaginiert man die Menschen, die hier im Schutz der Anonymität sprechen. Kein vorschnelles Urteil versperrt den Blick auf das Wesentliche, auf das Zuhören, auf das Hinhören, auf das Verstehen. Gleichzeitig ist man auf sich selbst und seine persönlichen Resonanzen mit dem Gehörten zurückgeworfen. (FOto: Thomas Aurin)

Ljodahått, Nachtasyl So ist der Abend bis in jede Bewegung, in jede Mimik, in jedes Wort, in jeden Ton Teil einer Inszenierung. Dieser verwegene und sympathische Haufen ist ein Ereignis, ihr Auftreten eine große Show im Kleinen. Schade dass im Nachtasyl noch Plätze frei blieben. Deswegen: Wann immer sich noch einmal die Gelegenheit bieten sollte, Ljodahått zu erleben, auf jeden Fall hingehen. Dieses Erlebnis sollte man sich nicht entgehen lassen.

Einsame Menschen, BE So stehen hier drei unterschiedliche Frauentypen nebeneinander, alle von heute und alle ebenso gefangen von den Umständen wie einst. Doch auch die Männer kommen nicht besser weg. Auch sie erreichen nicht das, was ihnen vorschwebt. Immer gibt es äußere Umstände, die sie am Fortkommen hindern. Obwohl sie es vielleicht selber sind. So tragen hier alle ihr eigenes Gefängnis mit sich herum. Und können sich folglich auch auf keine tiefergehenden Beziehungen einlassen, denn sie kreisen nur sich selbst. Was vielleicht in der Vogelwelt gelingen könnte, das ist den Menschen anscheinend verwehrt. Die Freiheit, von der sie träumen, gibt es nicht. Sie bleiben einsame Menschen und scheitern an der Verbindung untereinander. Regisseurin Bettina Bruinier bringt den sprachmächtigen, bissigen Text in prägnanten, schnellen Szenen auf den Punkt. Geschickt hält sie mit ihrem exzellenten Ensemble (Sina Martens, Nina Bruns, Corinna Kirchhoff, Gerrit Jansen, Oliver Kraushaar) die Balance zwischen Witz und Abgrund und die Komödie rutscht immer wieder ins Tragische ab. (© Jörg Brüggemann)

Die Optimistinnen, Gorki Außerdem kombiniert Aydo?du den Widerstand und Kampf von Nour (Aysima Ergün), Mercedes (Yanina Cerón) und Tüley (Ceren Bozkurt) mit dem der Lieferdienst-Ausfahrer:innen von heute. Denn wieder sind es Migrant:innen, die hier aufgrund der angenommenen mangelnden Sprach- und Rechtskenntnissen bzw. fehlender Aufenthaltstitel ihrer Arbeitnehmer:innenrechte beraubt werden und sich dagegen zur Wehr setzen. Der Kampf geht also weiter. Ein interessanter, bewegender und insgesamt einfach schöner Abend. Der Applaus zum Schluss wollte kein Ende nehmen.(© Ute Langkafel MAIFOTO)

Angela, Volksbühne Der Eindruck, dass diese Geschichte also beileibe nicht nur in der Realität spielt, legt auch die Bühneninstallation nahe. Kennedy setzt ihre Darsteller:innen in eine Virtual-Reality-Umgebung, die immer wieder verschwimmt und vom Realistischen ins Magische hinübergleitet. Zuerst in einem Einzimmerapartment mit einer realistisch wirkenden Küchenzeile und einem klackernden Ventilator, verwischen später immer wieder die Konturen und wandeln sich mal in eine mit Graffiti besprühte Tunnellandschaft, mal in ein Feuermeer mit anschließendem Ascheregen, dann in eine phantastische Landschaft, die Hoffnung aussendet, und schließlich wieder zurück ins Apartment. Doch nie lässt Kennedy den Zuschauenden im Klaren darüber, auf welcher ihrer vielen Ebenen man sich gerade befindet. Die Trennung zwischen Realität und Fiktion ist nur eine gedachte Linie, sie existiert in dieser sogenannten Wirklichkeit nicht. (Foto: Julian Roeder)

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