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(NOT A) COMMON GROUND

(NOT A) COMMON GROUND/ IF THE BONES COULD SPEAK

Liz Rech

Ein erster Versuch der Annäherung

Wie begegnet man Schuld, die das eigene Land in der Vergangenheit auf sich geladen hat? Wie kommt man mit den Opfern dieser Verbrechen wieder in Kontakt? Wie kann eine Aufarbeitung oder vielleicht auch nur eine Annäherung gelingen? Vielleicht so: Zunächst, indem man an dem Ort des Geschehens an diese Verbrechen erinnert. Und im zweiten Schritt Aktivist:innen und Künstler:innen aus dem Land der Leidtragenden dazu einlädt, ihre Sicht auf die Fakten zu zeigen. So entstand die performative Recherche (NOT A) COMMON GROUND/ IF THE BONES COULD SPEAK. Schon im Titel deutet sich an, welche Schwierigkeiten in so einem Unterfangen liegen. Es ist eine Performance, die die verschiedenen Perspektiven durch die beiden kooperierenden Beteiligten deutlich macht: einerseits die Hamburger Künstlerin Liz Rech mit (NOT A) COMMON GROUND und andererseits das multidisziplinäre Performance-Projekt IF THE BONES COULD SPEAK (unter der Leitung von Luke De Kock), einer südafrikanisch-namibischen Koproduktion von Camissa Create.

Im Baakenhafen soll die Kolonialgeschichte sicht- und nachfühlbar gemacht werden. Einmal durch geschichtliche Einordnung, die Darstellung der Fakten, durch Reanactments einzelner Ereignisse oder Bilder, aber auch durch performative Interventionen, die im Besonderen der Spur der human remains folgen. Diese lagern zum Teil heute immer noch in europäischen und südafrikanischen Institutionen und warten auf eine Rückgabe an die Nachfahren der eigentlichen Besitzer.

Doch zunächst zu den Fakten: Vom Baakenhafen aus wurden die Soldaten und ihr Kriegsmaterial Richtung Namibia verschifft und zwar unter dem begeisterten Jubel der Bevölkerung, die mit einer umfassenden politischen, rassistisch unterfütterten Inszenierung angefeuert wurde. Davon zeugen unter anderem die Zeitungsartikel und Ansprachen, die während des fast dreistündigen Walks durch den Baakenhafenbeckens zitiert werden.

Es wurde ein sehr abwechselungs- und kontrastreicher Spaziergang, der mit vielen unangenehmen Wahrheiten und Perspektiven konfrontierte. Die Interventionen der Mitwirkenden aus Namibia und Südafrika machten deutlich, wie wichtig die Bewahrung des Erbes ihrer Ahnen für ihre Identität ist. Zum Beispiel in der Station, in der eine schwarze Frau einen Schädel in ihrem Schoß hält und mit einem Spatel säubert. Sie schaut dabei die ganze Zeit anklagend in die Zuschauerschaft. Wie man später in einer oral history Einspielung hört: Die Ehefrau musste den Schädel ihres getöteten Mannes für die Kolonialherren abschaben, damit er in ihre Sammlung eingehen konnte. Auch wenn die drei Performer mit den aus dem Elbwasser gezogenen Knochen einen performativen Tanz auf dem Rasen zeigen, spürt man die tiefe Verbundenheit mit den sterblichen Hinterlassenschaften. Ganz am Schluss bewegt sich eine Frau um eine Feuerstelle herum und versucht mit einem Reisigbesen alle Spuren der Vergangenheit mit aufzunehmen und zu sichern.

Die Mitwirkenden aus dem Täterland versuchen die geschichtlichen Hintergründe aufzuzeigen. Sie bedienen sich dazu der geschichtlichen Zeugnisse, des Ortes, der Rekonstruktion anhand von Fakten, während die Opfernachfahren ihre Gefühle, Forderungen, und Ansprüche deutlich machen. Diese beiden Annäherungsversuche ergänzen sich zwar, stehen aber eher nebeneinander, als dass sie direkt miteinander in Beziehung treten. Im anschließenden Publikumsgespräch wurde deutlich, dass die Künstler:innen aus Namibia und Südafrika zwar dem Projekt einen wohlmeinenden Anfang eines Prozesses attestieren, aber keinesfalls vollends zufrieden über die Verständigung und Würdigung ihrer Sichtweise nach Hause fahren. Sie wollen berechtigter Weise mehr: We want the bones back!

Birgit Schmalmack vom 28.8.26

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