Die Insurgentinnen, Sprechwerk
Die Insurgentinnen, Sprechwerk
Foto: G2 Baraniak
Dumm stellen bringt Freiheit
Unsichtbar seien Frauen im reiferen Alter, das stellt Andrea (Andrea Jolly), in ihren neongrünen Highheels zu ebenso knalligen engen Hosenanzug fest. Ihre „fuckability“ sei eben dahin. Doch anstatt sich darüber zu grämen, hat sie beschlossen die damit verbundene Freiheit zu nutzen. Zusammen mit ihrer Freundin Jasmin (Jasmin Buterfas) hat sie eine kleine revolutionäre Zelle gegründet. Mit explosiven Aktionen wollen sie zunächst auf Beerdigungen von alten weißen Männern für ein wenig Action sorgen. Während Jasmin dabei an die Rettung der Demokratie denkt, geht es der Initiatorin eher um die Aufregung, die den Spaß des fehlenden Sexes ersetzen soll. Eher unfreiwillig wird die etwas jüngere Mitstreiterin Iris (Iris Faber) in die Zelle mit hineingezogen. Andreas Bruder Joachim (Joachim Liesert), der so gerne als richtiger Mann angesehen werden möchte, aber nur „Du bist einer der Guten“ zu hören bekommt, wird zum vierten Teil der zündenden Gemeinschaft.
Für ihre Aktionen hat Konstanze Ullmer eine tolle Bildsprache gefunden. Die Knalleffekte lässt sie das punkige Tanzensemble aus fünf Frauen (Katharina Albers, Sofia Krell, Rieke Müller, Johanna Nürnberger, Uljana Vartaniants) unter der Leitung von Suse Tietjen in eine getanzte Explosion umsetzen. Das ist effektvoll und mitreißend und erlaubt gleichzeitig geschickt eine abwechslungsreiche Dramaturgie.
Statt eines Bühnenbildes werden einfach mal ein Sofa, ein Tisch oder auch eine Kloschüssel auf die Bühne gerollt. Dafür machen aber die Kostüme der Frauen umso mehr her. Schriller, bunter und auffälliger geht es kaum. In fast jeder Szene kommen die Drei in neuen Designer-Kombinationen auf die schwarze Bühne, die jedem akzeptierten Farbkonzept trotzen, um so der eigenen Unsichtbarkeit ein Schnäppchen zu schlagen. Als sichtbare Ausrufezeichen sollen ihre Kleidungsstücke dienen.
Das Stück, das die Intendantin Konstanze Ullmer ihrem Ensemble auf den Leib geschrieben hat, ist eine spritzige und provokante Komödie geworden. Auch wenn Ullmer immer wieder ernste Themen mit anklingen lässt – wie den Gender Pay Gap, die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz, die nach wie vor nicht umgesetzte Gleichberechtigung bei den familiären Pflichten u.ä.- überwiegen die Anlässe zur Steigerung der Lacherquote. Der Abend erfreut mit gut gemachter, sprachwitziger Unterhaltung, die zudem ein paar Anlässe zum Nachdenken mit auf den Weg gibt. Das Publikum im voll besetzte Sprechwerk feierte das Stück mit begeistertem Applaus.
Birgit Schmalmack vom 7.9.26
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