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Sturmhöhe, Altonaer Theater

Strumhöhe, Altonaer Theater

Foto: Bo Lahola

Liebe, Verrat und Rache


Friedliches Landleben? Davon ist hier nichts zu spüren. Auf „Wuthering Heights“ kennt das Leben keine ruhige Minute. Hier sprühen die Emotionen. Selbst der Tod kann sie nicht aufhalten. Der erste und einzige Roman vom Emily Bronte ist ein Pageturner, der nicht nur zu ihrer Lebenszeit für starke Reaktionen sorgte. In der Verfilmung von 2026 wird er als „die größte Liebesgeschichte aller Zeiten“ angekündigt. Ablösung für Romeo und Julia also? Auch in der Umsetzung auf der Bühne des Altonaer Theaters wird deutlich, wo hier der Sprengstoff, um diese Superlative zu rechtfertigen, liegen könnte. Zusätzlich hat Regisseur Franz-Joseph Dieken in seiner Inszenierung den männlichen Hauptdarsteller mit einem schwarzen Schauspieler besetzt und damit seine vermeintliche Außenseiterposition noch offensichtlicher gemacht. Während es Bonte in ihrem Roman um die Klassenunterschiede ging, thematisiert Dieken den zugrundeliegenden gesellschaftlichen Rassismus, der eine Verbindung zwischen der Gutsbesitzertochter Catherine und dem vom Vater aufgenommenen Findelkind Heathcliff unmöglich erscheinen lässt. Doch die beiden fühlen sich seelenverwandt und füreinander bestimmt. Aber als der Vater stirbt, verstößt Catherines Bruder Heathcliff und unterbindet jede Beziehung zu seiner Schwester. Nachdem der Bruder allerdings durch den Kindstod seiner Frau der Alkoholsucht verfällt und dadurch auch die Existenz von Wuthering Heights gefährdet ist, entschließt sich Catherine dem Werben des jungen reichen Erben des nahe gelegenen Gutshofes Thrushcross Grange Edgar Linton (Tobias Dürr) nachzugeben. Daraufhin verschwindet der zutiefst verletzte Heathcliff und kommt erst drei Jahre als reicher Mann zurück, der nur noch ein Ziel hat: Rache zu nehmen.
Alleine diese komplexe Handlung in nur 135 Minuten, inklusive Pause, unterzubringen, ist eine Herausforderung. So hat sich Dieken entschlossen, die einzelnen Szenen, die die Handlung vorantreiben, auf wenige Sätze zusammen zu kürzen. Dazwischen übernehmen die übrigen Schauspielenden wechselnd die Rolle des Erzählers. So geht es Schlag auf Schlag. Die Darstellenden sind gefordert, ihren wechselnden Stimmungen, Haltungen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Besonders Catherine und Heathcliff unterlaufen während des komprimierten Stoffes mehrere Wandlungen, die sie bis in den Wahnsinn treiben. So werden auch die Zuschauenden von einer Stimmung in die nächste geworfen. Haben sie zunächst noch großes Mitleid mit dem diskriminierten Heathcliff und der aufrichtig liebenden Catherine, so kommen kurze Zeit Zweifel an den Gefühlen der beiden auf. Doch für genaue Studien der psychologischen Hintergründe ihrer Entwicklung bleibt angesichts der Dramatik der Handlungsschritte keine Zeit. Diese können nur angedeutet werden. Da helfen auch nur bedingt die Popsongs, die eingestreut werden, um die Atmosphären zu illustrieren. Auch sie werden, wie um Zeit zu sparen, schon mit den Erzählerstimmen unterlegt, die die nächsten dramatischen Entwicklungen ankündigen.
Die Besetzung mit einem schwarzen Schauspieler für die Figur Heathcliffs könnte natürlich auch ihren Fallstrick parat halten. Seine Zurückweisung lässt genau die Charakterzüge heranreifen, die die ihm die anderen vorher in ihrer Vorurteilsbehaftung unterstellten. Doch in der Verkörperung von Celia Silvestre Tamele versteht man, dass ihm keine andere Wahl blieb, als die anderen mit deren eigenen Waffen zu schlagen. Hatten sie doch zuvor genau diese Gemeinheiten und Grausamkeiten angewandt, die er jetzt gegen sie richtet. Herausragend ist die Leistung von Linda Stockfleth als Catherine, der mitunter ein Halbsatz, eine winzige Mimikänderung oder eine Drehung des Oberkörpers ausreicht, um einen neuerlichen Sinnungswandel verständlich zu machen. Diese beiden Hauptpersonen werden von dem dramatischen Karussell auf dieser Sturmhöhe herumgeschleudert, während die immer präsente Haushälterin (Antonia Leichtle) ihr wohltuend stabiles Zentrum bildet und auch den Zuschauenden einen Anker gibt.
Dieken hat es geschafft, einen packenden Stoff mit schnellen Schnitten auf die Bühne zu bringen, der ganz auf der Höhe der Zeit ist. Seine Entstehung im 18. Jahrhundert merkt ihm so keiner mehr an. Langeweile kommt hier nicht auf, aber Anstrengungsbereitschaft sich auf die vielen Aspekte und rasanten Entwicklungen einzulassen, ist gefordert.
Birgit Schmalmack vom 24.9.26

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